Reifendruckkontrolle beim Prophete Urbanicer nachrüsten: Möglichkeiten und Grenzen

E-Scooter-Reifen mit TPMS-Sensor und Druckanzeige
E-Scooter-Reifen mit TPMS-Sensor und Druckanzeige

Ein zu niedriger Reifendruck kann bei E-Scootern schnell zu beschädigten Schläuchen führen. Trifft ein kleiner Reifen auf eine Bordsteinkante oder ein Schlagloch, kann der Schlauch zwischen Reifen und Felge eingequetscht werden. Ein nachgerüstetes Reifendruckkontrollsystem kann einen schleichenden Druckverlust rechtzeitig melden. Allerdings eignet sich nicht jedes angebotene System für die kleinen Räder und Winkelventile eines E-Scooters.

Die Bereifung des Prophete Urbanicer

Prophete nennt für den Urbanicer 58072-5522 auf der Produktseite eine 10 × 2,5 Zoll große Luftbereifung. In der Bedienungsanleitung steht dagegen die präzisere Größenbezeichnung 54-152. Dabei bezeichnet 54 die nominelle Reifenbreite in Millimetern und 152 den Innendurchmesser des Reifens beziehungsweise den Felgenschulterdurchmesser. Zollangaben sind weniger eindeutig und können je nach Hersteller abweichen. Entscheidend ist deshalb immer die Beschriftung des tatsächlich montierten Reifens.

Einen festen Reifendruck in bar nennt Prophete in der Bedienungsanleitung nicht. Stattdessen verweist der Hersteller auf die Angaben am Reifen. Der dort angegebene Höchstdruck darf nicht überschritten werden. Prophete warnt ausdrücklich, dass ein zu niedriger Druck das Fahrverhalten verschlechtert und zum Durchschlagen des Reifens sowie zu Schäden an der Felge führen kann.

Was leistet ein nachgerüstetes RDKS?

Ein Reifendruckkontrollsystem – kurz RDKS oder TPMS – misst den Druck direkt am Ventil. Abhängig vom System werden zusätzlich Reifentemperatur und Batteriezustand erfasst.

Zur Nachrüstung kommen hauptsächlich zwei Bauarten infrage:

  • Systeme mit eigenem Display am Lenker
  • Bluetooth-Sensoren mit Anzeige und Warnmeldung auf dem Smartphone

Für einen E-Scooter ist ein Display während der Fahrt grundsätzlich leichter abzulesen. Smartphone-Systeme sind dagegen kompakter und benötigen kein zusätzliches Gerät am Lenker. Das Smartphone muss aber mitgeführt werden und Bluetooth, App-Berechtigungen sowie gegebenenfalls Hintergrundbenachrichtigungen müssen funktionieren.

Ein RDKS pumpt den Reifen nicht auf und verhindert auch keinen Schaden durch einen zu harten Aufprall. Es kann lediglich davor warnen, dass der vorhandene Druck unter den eingestellten Grenzwert gefallen ist.

Außen liegende Ventilsensoren

Die einfachste Nachrüstlösung besteht aus zwei kleinen Sensoren, die anstelle der Ventilkappen aufgeschraubt werden. Solche Sensoren sind normalerweise für Autoventile beziehungsweise Schrader-Ventile vorgesehen. Auch abgewinkelte Ventile können grundsätzlich funktionieren.

Die Reifengröße von zehn Zoll ist für die elektronische Messung nicht entscheidend. Wichtig sind stattdessen:

  • Ventilart und Ventilgewinde
  • Länge des freien Gewindes
  • Stabilität des Ventils
  • Größe und Gewicht des Sensors
  • Abstand zu Bremsscheibe, Bremssattel, Gabel und Motorgehäuse

Ein Sensor muss vollständig aufgeschraubt werden können. Rideet nennt beispielsweise mindestens sieben bis acht Millimeter frei zugängliches Ventilgewinde. FOBO verlangt mindestens fünf vollständige Gewindegänge und warnt davor, eine Kontermutter zu verwenden, wenn das Ventil dadurch zu kurz für eine dichte Montage wird.

Besondere Belastung bei kleinen E-Scooter-Rädern

Ein externer Sensor wiegt je nach Modell ungefähr sechs bis zehn Gramm. Das klingt wenig, wirkt aber direkt am rotierenden Ventil. Bei einem kleinen Zehn-Zoll-Rad dreht sich das Ventil häufiger als bei einem großen Fahrrad- oder Motorradreifen. Ein langes oder nachgiebiges Ventil wird dadurch stärker bewegt.

Besonders kritisch sind flexible Gummiventile oder Schlauchventile, die nicht mit einer Mutter fest in der Felge verschraubt sind. FOBO empfiehlt seine Ventilsensoren ausdrücklich bevorzugt an stabilen Metallventilen. Für Gummiventile verlangt der Hersteller einen größeren Sicherheitsabstand, weil sich das Ventil durch Vibrationen bewegen kann. Als Richtwerte nennt FOBO zehn Millimeter Abstand bei Gummiventilen und drei Millimeter bei fest montierten Metallventilen.

RideLink erlaubt die Verwendung seiner TireGuard-Sensoren auch an intakten Gummiventilen, empfiehlt in der eigenen Anleitung jedoch die mitgelieferten Metallventile. Außerdem muss besonders bei Winkelventilen geprüft werden, ob der Sensor beim Drehen des Rades den Bremssattel berühren kann.

Damit ist die Montage an einem Schlauchventil nicht grundsätzlich unmöglich. Sie ist aber auch nicht automatisch sicher, nur weil das Gewinde passt.

Beispiele für erhältliche Systeme

Die folgende Übersicht ist keine Kaufempfehlung, sondern zeigt die unterschiedlichen Bauarten und technischen Voraussetzungen:

SystemAnzeigeSensorgröße und GewichtBesonderheiten
RideLink TireGuardSmartphone-App und Widget20,2 × 13,8 mm; 7,6 gFür Autoventile und laut Anbieter auch Winkelventile; Warnung bei Druckverlust
FOBO Bike 2Smartphone, Smartwatch oder Bluetooth-Headset20,2 × 13,8 mm; 7,6 gEinstellbare Grenzwerte; Metallventile werden ausdrücklich empfohlen
Rideet TPMS ProSmartphone und Apple Watch20 × 17 mm; 7,5 gBenötigt ausreichend langes Ventilgewinde; Messbereich bis 6,4 bar
CAREUD M3-A mit AußensensorenEigenes LenkerdisplayMini-Sensoren je nach Ausführung etwa 18 × 13 mm und ab 6 gEinstellbare Warnschwellen; verschiedene Sensorvarianten erhältlich

RideLink misst laut eigener Anleitung sekündlich. Bei unverändertem Druck werden die Werte alle 30 Sekunden übertragen, bei einem deutlichen Druckabfall sofort. Der konservativ zu berücksichtigende maximale Messdruck beträgt laut Anleitung acht bar.

Beim CAREUD M3-A lassen sich die oberen und unteren Warnschwellen für Vorder- und Hinterrad getrennt einstellen. Da unter derselben Modellbezeichnung unterschiedliche Sensorgrößen angeboten werden, müssen vor dem Kauf die tatsächlich gelieferten Sensoren geprüft werden.

Der eingestellte Grenzwert ist entscheidend

Viele Motorrad-RDKS werden mit einer unteren Warnschwelle von ungefähr zwei bar ausgeliefert. Dieser Standardwert muss nicht zum E-Scooter passen. Liegt der erforderliche kalte Reifendruck beispielsweise deutlich höher, käme eine Warnung bei zwei bar möglicherweise zu spät, um einen Durchschlag zuverlässig zu vermeiden.

Der richtige Ablauf lautet deshalb:

  1. Zulässigen Druckbereich auf der Reifenflanke ablesen.
  2. Reifen bei Umgebungstemperatur auf den gewünschten kalten Betriebsdruck bringen.
  3. Diesen Wert mit einem zuverlässigen Manometer kontrollieren.
  4. Die untere Warnschwelle so einstellen, dass der Alarm deutlich vor einem kritischen Druckverlust ausgelöst wird.
  5. Den angegebenen Höchstdruck des Reifens niemals überschreiten.

Ein allgemeingültiger Druckwert kann nicht allein aus der Angabe „10 Zoll“ oder „10 × 2,5“ abgeleitet werden. Reifenbauart, Fahrergewicht, tatsächliche Reifenbreite und Herstellerfreigaben müssen berücksichtigt werden.

Sichere Montage eines Außensensors

Vor der ersten Fahrt sollte die Montage sorgfältig kontrolliert werden:

  • Zustand des Ventils auf Risse, Alterung und Beweglichkeit prüfen.
  • Sensor nur handfest und gerade aufschrauben.
  • Kontermutter nur verwenden, wenn genügend Gewinde verbleibt.
  • Ventil und Sensor mit Seifenwasser auf austretende Luft prüfen.
  • Vorder- und Hinterrad langsam vollständig drehen.
  • Freigang zu Bremse, Gabel, Schutzblech und Motorgehäuse prüfen.
  • Sensor anschließend mit dem Empfänger oder Smartphone verbinden.
  • Eingestellte Druckwarnung testen.
  • Nach der ersten Fahrt Sitz, Dichtigkeit und Ventilzustand erneut kontrollieren.

Ein aufgeschraubter Sensor betätigt dauerhaft den Ventileinsatz. Die Abdichtung erfolgt dann im Sensor. Deshalb kann eine beschädigte Dichtung, ein schief aufgeschraubter Sensor oder ein zu kurzes Gewinde selbst einen Luftverlust verursachen.

Ergebnis für den Prophete Urbanicer

Eine elektronische Reifendruckkontrolle lässt sich am Prophete Urbanicer grundsätzlich realisieren, sofern passende Autoventile vorhanden sind und genügend Freiraum besteht. Eine vom Scooterhersteller ausdrücklich für das Modell 58072-5522 freigegebene Nachrüstlösung ist in den geprüften Prophete-Unterlagen jedoch nicht aufgeführt.

Für eine mögliche Nachrüstung eignen sich am ehesten zwei besonders kleine und leichte Außensensoren mit einstellbarer Warnschwelle. Ob ein Smartphone-System oder ein eigenes Display praktischer ist, hängt von der Nutzung ab. Wer während der Fahrt ständig informiert werden möchte, erhält mit einem separaten Display die direktere Anzeige.

Bei einem flexiblen oder sichtbar arbeitenden Schlauchventil sollte ein Außensensor nicht ohne weitere Prüfung montiert werden. In diesem Fall bleibt die zuverlässigste Lösung eine regelmäßige Kontrolle mit einem guten Manometer – möglichst vor jeder Fahrt und zusätzlich nach längeren Standzeiten.

Auch mit funktionierender Drucküberwachung sollten Bordsteinkanten nur langsam und möglichst gerade überfahren werden. Prophete empfiehlt, die Geschwindigkeit vor Unebenheiten deutlich zu reduzieren und den Scooter gegebenenfalls über das Hindernis zu schieben oder zu tragen.

Quellen und Herstellerunterlagen