ei Filamentdruckern gehören automatische Farbwechsel inzwischen zum Alltag. Beim Resindruck entsteht ein Modell dagegen gewöhnlich vollständig aus dem Resin, das sich in der Wanne befindet. Mehrere Farben innerhalb eines Druckauftrags waren im bezahlbaren Consumerbereich deshalb lange nicht möglich.
2026 beginnt sich das zu ändern. Mit dem Anycubic Photon P1 ist ein erster Desktop-Resindrucker erhältlich, der zwei Farben oder zwei Materialien gleichzeitig verarbeiten kann. Allerdings unterscheidet sich diese Lösung deutlich von einem Filamentdrucker mit automatischem Materialwechsler.
Warum mehrfarbiger Resindruck schwierig ist
Ein gewöhnlicher MSLA-Drucker besitzt eine mit flüssigem Resin gefüllte Wanne. Unter deren transparentem Boden belichtet ein LCD-Bildschirm jede einzelne Schicht. Da sich das Resin über die gesamte Druckfläche verteilt, lässt sich nicht einfach an einer beliebigen Stelle eine zweite Farbe zuführen.
Vor einem klassischen Resinwechsel müssten das Modell und die Bauplatte angehoben, gereinigt und anschließend in einen anderen Behälter eingesetzt werden. Schon kleine Rückstände können die nächste Farbe verunreinigen. Unterschiedliche Resins benötigen zudem verschiedene Belichtungszeiten, Temperaturen und Bewegungseinstellungen.
Ein manueller Farbwechsel während einer Druckpause ermöglicht lediglich horizontale Farbzonen. So kann beispielsweise ein schwarzer Sockel mit einer roten Figur darüber entstehen. Seitlich nebeneinanderliegende Details wie Augen, Kleidung oder Schriftzüge lassen sich damit nicht gezielt einfärben.
Anycubic Photon P1 mit zwei Resinwannen
Der Anycubic Photon P1 bringt das Prinzip des Zweifarbendrucks erstmals in eine bezahlbare Desktopmaschine. Sein optionales Dual-Material-Kit enthält zwei getrennte Resinbehälter und eine dazu passende geteilte Bauplattform.
In die linke Wanne kann beispielsweise blaues Resin gefüllt werden, während sich rechts rotes Resin befindet. Alternativ lassen sich zwei unterschiedliche Materialien einsetzen – etwa Standardresin und flexibles Resin. Der Slicer weist jeder Seite ein Modell und die passenden Druckparameter zu. Anschließend belichtet der Drucker beide Bereiche innerhalb desselben Druckauftrags.
Anycubic bezeichnet das als gleichzeitigen Dual-Farb- beziehungsweise Dual-Material-Druck. Das Gerät wurde zuletzt ab 519 Euro angeboten; gemeinsam mit der Wash & Cure 3 Plus lag das Angebot bei 658 Euro. Preise und Ausstattung können sich abhängig von Verkaufsaktion und Konfiguration ändern.
Kein echter Vollfarbdruck
Die Bezeichnung „Dual-Color“ kann einen falschen Eindruck vermitteln. Der Photon P1 druckt nicht automatisch ein zusammenhängendes Modell mit beliebig angeordneten farbigen Details. Beide Wannen bilden voneinander getrennte Druckzonen.
Möglich sind beispielsweise:
- zwei Figuren in verschiedenen Farben,
- Figur und Sockel als getrennte Teile,
- harte und flexible Bauteile,
- zwei Resins mit unterschiedlichen Druckparametern.
Die Teile entstehen gleichzeitig, befinden sich aber auf getrennten Hälften der Bauplattform. Sollen sie später ein gemeinsames Modell bilden, müssen sie nach dem Waschen und Aushärten zusammengesetzt werden.
In einem Praxistest wurden zwei Figuren gleichzeitig mit gelbem und grünem Resin hergestellt. Die Modelle mussten im Slicer manuell auf die jeweilige Seite gesetzt werden.
Technisch ist der Photon P1 daher eher ein Dual-Zonen-Resindrucker als ein echter Vollfarbdrucker. Sein Vorteil liegt darin, zwei getrennte Druckaufgaben mit unterschiedlichen Farben oder Materialien parallel erledigen zu können.
Technische Ausstattung des Photon P1
Für größere einfarbige Modelle lässt sich anstelle des geteilten Systems eine normale durchgehende Resinwanne einsetzen. Der gesamte Bauraum beträgt 223 × 126 × 230 Millimeter.
Weitere Eigenschaften sind:
- 10,1 Zoll großes 14K-Monochromdisplay,
- automatische Nivellierung,
- schnell wechselbare Bauplattform,
- schnell wechselbarer Resinbehälter,
- beheizte Standardwanne,
- hochklappbare Abdeckung,
- Abtropfhalter für die Bauplattform,
- Unterstützung hochviskoser Resins bis 8.000 cps.
Im Zwei-Wannen-Betrieb steht pro Farbe nur ungefähr die halbe Grundfläche zur Verfügung. Außerdem unterstützt die geteilte Einheit laut Hersteller keine automatische Behältererkennung und keine eigene Heizung.
Vollfarbiger Resindruck existiert bereits in der Industrie
Mehrfarbige Photopolymerdrucke sind grundsätzlich nicht neu. Industrielle Maschinen setzen jedoch eine andere und wesentlich teurere Technik ein.
Der Mimaki 3DUJ-2207 trägt winzige Tropfen UV-härtender Farbtinte gezielt auf. Die Farben werden ähnlich wie bei einem Tintenstrahldrucker kombiniert und sofort mit UV-Licht ausgehärtet. Laut Hersteller lassen sich mehr als zehn Millionen Farben darstellen. Der Bauraum beträgt 203 × 203 × 76 Millimeter.
Stratasys verwendet bei seinen PolyJet-Systemen ebenfalls Druckköpfe, die flüssige Photopolymere als feine Tropfen aufbringen. Der J850 Prime kann bis zu sieben Grundmaterialien gleichzeitig verarbeiten und Hunderttausende farblich definierte Kombinationen erzeugen. Neben Farben lassen sich auch starre, transparente und flexible Bereiche verbinden. Das Gerät wiegt allerdings rund 430 Kilogramm und gehört in eine vollkommen andere Preis- und Leistungsklasse.
Diese Maschinen beweisen, dass echter Vollfarb- und Mehrmaterialdruck mit Photopolymeren möglich ist. Die dafür benötigten Druckköpfe, Materialsysteme und Reinigungseinrichtungen sind bisher jedoch zu teuer für typische Hobbygeräte.
Anycubic entwickelt bereits ein Vollfarbverfahren
Im August 2026 wurde eine chinesische Patentanmeldung von Anycubic veröffentlicht. Das darin beschriebene Verfahren geht deutlich über die zwei getrennten Wannen des Photon P1 hinaus.
Zunächst soll eine dünne Farbschicht gezielt auf die Baufläche oder Trennfolie aufgebracht werden. Danach wird transparentes beziehungsweise durchscheinendes Resin darüber verteilt und belichtet. Farbe und Resin werden so Bestandteil derselben gedruckten Schicht. Durch die Wiederholung könnten unterschiedliche Farben direkt innerhalb eines Modells entstehen.
Eine Figur könnte dadurch bereits mit farbigem Gesicht, Kleidung und Oberflächendetails aus dem Drucker kommen. Eine Patentanmeldung ist allerdings noch kein Serienprodukt. Ob und wann daraus ein bezahlbarer Drucker entsteht, ist bislang offen.
Neue Anforderungen an Modelle und Slicer
Eine normale STL-Datei enthält vor allem die Form eines Modells, aber keine zuverlässigen Informationen über Farben oder Oberflächentexturen. Für zukünftige Vollfarbdrucker werden deshalb Formate wie 3MF oder OBJ wichtiger.
Der Slicer muss erkennen, welcher Bereich mit welcher Farbe oder welchem Material hergestellt werden soll. Bei fotorealistischen Oberflächen müssen Texturen zusätzlich in einzelne Farbpunkte und Schichten umgerechnet werden. Die Entwicklung betrifft daher nicht nur den Drucker, sondern ebenso Software, Dateiformate und Farbverwaltung.
Wie geht die Entwicklung weiter?
Mehrere technische Lösungen sind denkbar:
- Drucker mit mehr als zwei getrennten Resinwannen,
- automatisch wechselnde Resinbehälter,
- gezielte Pigmentdosierung vor jeder Belichtung,
- kleinere und günstigere Materialstrahldrucker,
- automatische Reinigung zwischen Materialwechseln,
- Slicer mit echter Farb- und Texturverwaltung.
Besonders vielversprechend ist die Verbindung aus transparenter Grundmasse und gezielt aufgetragenen Farbpigmenten. Sie könnte Vollfarbdruck ermöglichen, ohne für jeden Farbton eine komplette Resinwanne bereitzuhalten.
Fazit
Mehrfarbiger Resindruck befindet sich 2026 im Übergang von der Industrie zum Consumerbereich. Mimaki und Stratasys können längst farbige Photopolymermodelle herstellen, ihre Maschinen sind für private Anwender und kleine Werkstätten jedoch zu teuer und zu groß.
Der Anycubic Photon P1 ist ein erster bezahlbarer Schritt. Seine zwei Wannen ermöglichen zwei Farben oder Materialien in einem Druckauftrag. Es entstehen jedoch getrennte Modelle oder Bauteile und noch keine beliebig mehrfarbige Einzelfigur.
Echter Vollfarb-Resindruck für den Schreibtisch bleibt vorerst Zukunftsmusik. Neue Patente zeigen jedoch, dass bereits an Verfahren gearbeitet wird, die Farbpigmente direkt in jede gedruckte Schicht integrieren.