Transparentes PETG genügt für viele dekorative Drucke. Werden jedoch höhere Temperaturbeständigkeit, Schlagzähigkeit, UV-Stabilität oder Chemikalienresistenz verlangt, kommen technische Filamente ins Spiel. Dazu zählen Polycarbonat, PCTG, Hochtemperatur-Copolyester und PC-PMMA-Werkstoffe.
Vollkommen durchsichtig wie Fensterglas werden FDM-Drucke allerdings selten. Zwischen den Schichten entstehen Grenzflächen, an denen Licht gestreut wird. Mit geeignetem Material und abgestimmten Druckparametern sind dennoch erstaunlich klare Bauteile möglich.
Welche Werkstoffklasse eignet sich wofür?
| Werkstoff | Typische Stärke | Druckbarkeit | Transparenz |
|---|---|---|---|
| PCTG | Schlagzäh, unkompliziert | Einfach bis mittel | Gut |
| Polycarbonat | Wärmefest, steif, schlagzäh | Anspruchsvoll | Gut |
| CPE/Copolyester | Chemikalienfest, maßhaltig | Mittel | Gut |
| Hochtemperatur-Copolyester | Wärmefest und optisch klar | Anspruchsvoll | Sehr gut |
| PC-PMMA | Kratzfest, UV-beständig | Mittel | Sehr gut |
| PEI/PEEK | Extrem temperaturbeständig | Sehr anspruchsvoll | Meist bernsteinfarben |
PEI und PEEK gehören zwar zu den technischen Hochleistungswerkstoffen, sind für einen normalen Desktopdrucker jedoch kaum sinnvoll. Sie benötigen sehr hohe Düsen-, Bett- und Bauraumtemperaturen und sind außerdem nicht farblos transparent.
1. Fiberlogy PCTG Pure Transparent – die unkomplizierte Empfehlung
Fiberlogy PCTG ist eine interessante Zwischenstufe aus PETG und Polycarbonat. Es lässt sich vergleichsweise unkompliziert verarbeiten, ist aber wesentlich schlagzäher als gewöhnliches PETG. Der Hersteller nennt eine Kerbschlagzähigkeit von etwa 92 kJ/m² gegenüber rund 5 bis 8 kJ/m² bei typischem PETG.
Die Temperaturbeständigkeit liegt bei ungefähr 76 °C. Gedruckt wird bei 250 bis 270 °C Düsentemperatur und rund 90 °C Betttemperatur. Ein aktiv beheizter Bauraum ist nicht erforderlich.
Vorteile:
- hohe Schlagzähigkeit
- geringe Schrumpfung
- gute Layerhaftung
- als „Pure Transparent“ erhältlich
- auf modernen geschlossenen Druckern relativ einfach
- etwa 32 Euro pro Kilogramm
PCTG ist ideal für transparente Schutzabdeckungen, Behälter, Gehäuse, Leuchten und mechanisch belastete Sichtteile. Für dauerhafte Anwendungen deutlich über 70 °C ist es weniger geeignet.
2. Polymaker PolyLite PC Transparent – der belastbare Klassiker
Polycarbonat ist die klassische Wahl, wenn transparente Teile sowohl mechanisch belastbar als auch wärmebeständiger sein sollen. PolyLite PC Transparent wird bei 250 bis 270 °C gedruckt; das Heizbett sollte 90 bis 105 °C erreichen. Polymaker empfiehlt einen geschlossenen beziehungsweise warmen Bauraum und eine Druckgeschwindigkeit bis etwa 50 mm/s.
Das Material eignet sich für:
- Maschinenabdeckungen
- Leuchtengehäuse
- robuste Elektronikgehäuse
- Halterungen in warmen Umgebungen
- schlagfeste Sichtfenster ohne Sicherheitszulassung
Polycarbonat muss sehr gründlich getrocknet werden. Feuchtigkeit verursacht Blasen, raue Oberflächen und milchige Drucke. Auf einem Bambu Lab P1S sind kleine und mittelgroße Teile gut realisierbar, wenn das Material trocken und der Bauraum vorgewärmt ist. Große, flache Teile können sich dennoch verziehen.
Der Preis liegt derzeit bei ungefähr 35 Euro pro Kilogramm.
3. Anycubic PC Translucent White – schnell beworben, beim Durchfluss begrenzt
Anycubic bietet ein transluzentes PC mit einer angegebenen Wärmeformbeständigkeit von 110 °C und einer Vicat-Erweichungstemperatur von 122 °C an. Der Hersteller nennt zwar einen Geschwindigkeitsbereich bis 250 mm/s, begrenzt den maximalen Volumenstrom aber auf lediglich 12 mm³/s. Die tatsächlich erreichbare Geschwindigkeit hängt deshalb stark von Linienbreite und Schichthöhe ab.
Empfohlen werden 270 bis 290 °C an der Düse, 100 bis 120 °C am Bett und eine Trocknung für 8 bis 12 Stunden bei 80 °C.
Das Material ist eine preislich interessante Wahl für wärmebelastete Funktionsteile. Es ist jedoch eher milchig-transluzent als glasklar. Außerdem liegt die empfohlene maximale Betttemperatur über dem, was manche Desktopdrucker erreichen.
4. colorFabb HT Clear – für Wärme und hohe optische Klarheit
colorFabb HT Clear basiert auf einem Tritan-Copolyester von Eastman. Das Material besitzt eine Glasübergangstemperatur oberhalb von 100 °C, ist styrolfrei und entwickelt beim Drucken vergleichsweise wenig Geruch. Durch sein gutes Fließverhalten können Zwischenräume in den Schichten reduziert werden, wodurch besonders klare Drucke möglich sind.
Für maximale Klarheit empfiehlt sich ein langsamer Druck:
- Düse: 250–280 °C
- Heizbett: 100–110 °C
- Geschwindigkeit: 20–40 mm/s
- Schichthöhe: 0,2–0,3 mm
- Kühlung: höchstens 30 Prozent
Mit etwa 43 Euro für nur 700 Gramm ist HT Clear deutlich teurer als PCTG oder PC. Dafür gehört es zu den interessantesten Materialien, wenn Wärmebeständigkeit und Transparenz gleichzeitig wichtig sind.
5. Fillamentum CPE HG100 – chemikalienbeständiger Copolyester
CPE HG100 ist ein modifiziertes PETG für technische Anwendungen. Es bietet gute Beständigkeit gegen Säuren, Basen, Alkohole und verschiedene Kohlenwasserstoffe. Die Temperaturbeständigkeit wird mit etwa 80 °C angegeben.
Gedruckt wird bei 255 bis 275 °C, 70 bis 85 °C Betttemperatur und ungefähr 40 bis 60 mm/s. Das Filament ist in mehreren transparent eingefärbten Varianten erhältlich.
CPE HG100 eignet sich besonders für Laborzubehör, Flüssigkeitsbehälter, technische Gehäuse und Bauteile, die gelegentlich mit Reinigungsmitteln oder Chemikalien in Kontakt kommen. Die Varianten sind eher farbig-transparent als vollkommen klar.
6. Verbatim Durabio Clear – kratzfest und UV-beständig
Durabio kombiniert Eigenschaften von Polycarbonat und PMMA. Der von Mitsubishi Chemical entwickelte Werkstoff ist transparent, UV-beständig, kratz- und abriebfest sowie BPA-frei. Er wird unter anderem als leichter Glasersatz in technischen und automobilen Anwendungen eingesetzt.
Verbatim empfiehlt etwa 230 °C Düsentemperatur, 100 °C am Heizbett und eine Geschwindigkeit um 50 mm/s.
Durabio ist interessant für dauerhaft sichtbare Oberflächen, Outdoor-Bauteile, Leuchten und Abdeckungen. Allerdings ist es häufig nur in 500-Gramm-Spulen erhältlich und schwieriger zu beschaffen als PC oder PCTG.
7. colorFabb XT Clear – die einfachere Copolyester-Alternative
XT Clear ist ein technischer Copolyester mit guter Zähigkeit, geringem Geruch und einer Dauereinsatztemperatur von ungefähr 75 °C. Er lässt sich bei 240 bis 260 °C, einem 60 bis 70 °C warmen Druckbett und etwa 40 bis 70 mm/s verarbeiten.
Damit ist XT Clear einfacher zu drucken als Polycarbonat oder HT Clear. Gegenüber gutem PETG fällt der Temperaturvorteil allerdings relativ klein aus.
Was ist mit Bambu Lab PC Transparent?
Bambu Lab führt PC auch als „Transparent“ und „Clear Black“. Das Material ist bequem in das Bambu-System integriert. Bei transparenten Filamenten kann die optische Kalibrierung per Lidar laut Hersteller jedoch unzuverlässiger arbeiten. Vor dem Druck wird eine intensive Trocknung empfohlen.
Für einen P1S ist Bambu PC eine naheliegende Wahl. Wer besonders hohe Klarheit sucht, sollte es dennoch mit Fiberlogy PCTG, colorFabb HT oder Durabio vergleichen.
So werden transparente technische Drucke möglichst klar
Material allein genügt nicht. Für hohe Transparenz helfen folgende Einstellungen:
- Filament unmittelbar vor dem Druck trocknen.
- Eine große Düse von 0,6 oder 0,8 mm verwenden.
- Mit breiten, dicken und gut verschmolzenen Bahnen drucken.
- Düsentemperatur eher am oberen Ende der Empfehlung wählen.
- Lüfter stark reduzieren oder abschalten.
- Langsamer drucken, als es ein Geschwindigkeitsprofil vorsieht.
- Nur eine Außenwand verwenden, wenn die Belastung es zulässt.
- Alternativ massive Bauteile mit 100 Prozent Infill drucken.
- Durchsichtige Flächen möglichst senkrecht statt flach orientieren.
- Oberfläche schleifen und polieren; chemisches Glätten ist materialabhängig.
Bei dünnen Wänden entsteht meist eine transparente, aber optisch verzerrende Fläche. Massive Drucke können nach sorgfältigem Schleifen und Polieren deutlich klarer erscheinen.
Empfehlungen für aktuelle Schnelldrucker
Für einen Bambu Lab P1S oder einen ähnlichen geschlossenen Drucker ergibt sich folgende Reihenfolge:
- Fiberlogy PCTG Pure Transparent: beste Kombination aus Preis, Schlagzähigkeit und einfacher Verarbeitung.
- Polymaker PolyLite PC Transparent: empfehlenswert bei höherer mechanischer und thermischer Belastung.
- colorFabb HT Clear: beste Premiumwahl für hohe Wärmebeständigkeit und möglichst gute Klarheit.
- Fillamentum CPE HG100: sinnvoll bei Kontakt mit Chemikalien.
- Durabio Clear: Speziallösung für UV- und kratzbelastete Sichtoberflächen.
- Anycubic PC: preiswert und wärmefest, aber eher transluzent und beim Volumenstrom begrenzt.
Fazit
Das universellste transparente technische Filament ist derzeit PCTG: schlagzäh, vergleichsweise preiswert und ohne extrem heißen Bauraum druckbar. Polycarbonat bietet die höhere Wärmebeständigkeit, verlangt aber sorgfältige Trocknung und ein kontrolliertes Druckklima. Für optisch anspruchsvolle und zugleich wärmebelastete Teile ist colorFabb HT Clear besonders interessant.
Unabhängig vom Material sind FDM-Drucke keine zertifizierten Schutzscheiben, Druckbehälter oder optischen Linsen. Auch eine Lebensmittelzulassung des Rohmaterials bedeutet nicht automatisch, dass das fertige, schichtweise gedruckte Bauteil lebensmittelecht ist.