Wer Diesel im Kanister vergisst, steht Jahre später vor der Frage: wegkippen oder weiterverwenden? Bei rund 50 Euro Wert für 20 Liter lohnt sich ein genauer Blick. Im hier beschriebenen Fall lag der Diesel sechs Jahre in einem schwarzen 20-Liter-Kanister, unbewegt und ohne je Frost abbekommen zu haben. Ins Auto, einen Hyundai i40, soll er nicht. Als Brennstoff für eine Dieselstandheizung kommt er aber eventuell in Frage. Dieser Artikel zeigt, was in so einem Kanister passiert, wie man den Diesel prüft und aufbereitet und wann man ihn besser entsorgt.
Warum Diesel altert
Diesel bleibt nicht ewig stabil. In langer Lagerung laufen drei Prozesse ab:
- Oxidation: Sauerstoff reagiert mit dem Kraftstoff. Es entstehen Harze und lackartige Ablagerungen, der Diesel wird dunkler und riecht stechend. Heutiger Diesel enthält bis zu 7 Prozent Biodiesel (FAME), der deutlich schneller altert als reiner Mineralöldiesel.
- Wasser: Temperaturschwankungen erzeugen im Kanister Kondenswasser. Es ist schwerer als Diesel und sammelt sich am Boden.
- Mikrobieller Befall: An der Grenze zwischen Wasser und Diesel können Bakterien und Pilze wachsen, die sogenannte Dieselpest. Sie zeigt sich als Schleim oder Flocken.
Was für diesen Kanister spricht
Die Lagerbedingungen sind besser als in vielen anderen Fällen:
- Schwarzer Kunststoff: UV-Licht beschleunigt die Alterung, der dunkle Kanister hält es weitgehend ab.
- Kein Frost: Es kann kein Paraffin ausgeflockt und kein Wasser gefroren sein, das den Kanister beschädigt.
- Unbewegt: Der Inhalt hat sich in Ruhe geschichtet. Das ist zweischneidig. Die obere Schicht ist vermutlich die sauberste, Wasser und Schmutz liegen unten.
Dagegen spricht, dass Polyethylen nicht vollkommen gasdicht ist. Über sechs Jahre dringt langsam Sauerstoff ein, eine gewisse Oxidation ist also wahrscheinlich, besonders mit Biodieselanteil.
Warum nicht ins Auto?
Common-Rail-Motoren wie im i40 arbeiten mit Einspritzdrücken von rund 1600 bis 2000 bar und extrem engen Toleranzen. Harze und feinste Partikel können Injektoren und Hochdruckpumpe schädigen, und solche Reparaturen kosten schnell vierstellige Beträge. Die Entscheidung, den alten Diesel dort nicht zu verwenden, ist richtig.
Eine Standheizung ist anspruchsloser. Sie arbeitet mit einer kleinen Dosierpumpe bei niedrigem Druck. Unempfindlich ist sie trotzdem nicht: Filtersieb, Kraftstoffleitung, Verdampfer und Glühstift verkoken oder verstopfen mit schlechtem Kraftstoff.
Schritt 1: Prüfen, ohne den Kanister zu bewegen
- Ruhig öffnen und riechen. Frischer Diesel riecht typisch nach Diesel. Sauer, ranzig oder nach Lack und Firnis ist ein schlechtes Zeichen.
- Probe von oben nehmen. Mit einem sauberen Schlauch, einer Pipette oder einer Handpumpe etwas aus dem oberen Bereich entnehmen und in ein klares Glas füllen. Den Kanister dabei nicht schütteln.
- Wasser am Boden testen. Mit Wasserfindepaste, die es für wenige Euro gibt, lässt sich Wasser nachweisen. Paste auf einen langen Stab streichen und bis zum Boden absenken. Ein Farbumschlag zeigt Wasser an.
- Glas 24 Stunden stehen lassen und gegen das Licht halten.
Gut ist klar, hell bis bernsteinfarben, ohne Bodensatz und ohne Flocken. Schlecht ist trüb, dunkelbraun bis schwarz, schleimig oder mit sichtbarer Wasserschicht.
Schritt 2: Aufbereiten
- Bodensatz nicht mitnehmen. Nur das obere Dreiviertel abpumpen. Das untere Viertel bleibt zurück und wird entsorgt.
- Fein filtern. Ein Kraftstofffilter mit Wasserabscheider (5 µm oder feiner) ist ideal. Kaffeefilter oder Küchensiebe sind zu grob.
- Absetzen lassen. Den gefilterten Diesel einige Tage in einem sauberen, dichten Behälter ruhen lassen und danach nochmals auf Wasser prüfen.
- Verdünnen. Am besten 1 Teil alten Diesel auf 3 bis 5 Teile frischen mischen. Bei Kälte Winterdiesel verwenden. Das ist die wirksamste Einzelmaßnahme.
- Additiv (optional). Ein Diesel-Stabilisator oder Multifunktionsadditiv kann Restwasser binden und weitere Alterung bremsen. Bereits verharzten Diesel macht es nicht wieder gut.
Schritt 3: Einsatz in der Standheizung
- Handbuch lesen. Prüfe, welche Kraftstoffe und welche Filterung der Hersteller vorsieht.
- Zusätzlicher Inline-Filter. Viele Heizungen haben nur ein grobes Sieb im Tank. Ein Filter vor der Dosierpumpe schützt die empfindlichste Stelle.
- Klein anfangen. Nicht gleich die ganze Menge einfüllen, sondern erst einen bis zwei Liter der Mischung.
- Erste Läufe im Freien. Gut belüftet, nie in geschlossenen Räumen oder Garagen. Die Abgase enthalten Kohlenmonoxid.
- Beobachten. Starkes Rußen, Rauch, unruhiges Brennen oder Startprobleme deuten auf schlechten Kraftstoff hin. Dann sofort umstellen. Den Brenner gelegentlich auf hoher Stufe laufen lassen, damit er sich freibrennt.
Wann besser entsorgen
Fällt die Glasprobe durch, ist der Diesel für die Heizung ungeeignet. Ein verstopfter Brenner oder eine defekte Dosierpumpe kostet schnell mehr als der Diesel wert ist. Entsorgt wird er beim Schadstoffmobil oder auf dem Wertstoffhof, nicht in Abfluss, Erdreich oder Restmüll.
Die Rechnung
Rund 50 Euro Wert stehen gegen etwa 10 bis 20 Euro für einen guten Filter, ein paar Euro für Wasserfindepaste und den frischen Diesel zum Verdünnen. Besteht der Diesel die Glasprobe, lohnt sich der Aufwand. Fällt er durch, sind die 50 Euro leider verloren, aber das Risiko für die Heizung ist dann größer als die Ersparnis.
Sicherheit
Diesel hat einen Flammpunkt über 55 °C, ist aber brennbar. Kein offenes Feuer, gut belüften, Handschuhe tragen, beim Umfüllen eine Auffangwanne unterstellen und nur geeignete, gekennzeichnete Kraftstoffbehälter verwenden.
Fazit
Die Voraussetzungen sind für sechs Jahre Lagerung gut: dunkel, frostfrei, ruhig. Ob der Diesel wirklich taugt, zeigen aber erst Geruch, Glasprobe und Wassertest. Besteht er, lässt er sich nach Filtern und Verdünnen in der Standheizung verwenden. Im Auto hat er nichts zu suchen.