PLA aus dem AMS und TPU von der externen Rolle am Bambu Lab X2D

Bambu Lab X2D Multimaterial TPU PLA Druck
Bambu Lab X2D Multimaterial TPU PLA Druck

Der Bambu Lab X2D kann zwei Materialien innerhalb eines Druckauftrags verarbeiten. Dadurch liegt die Idee nahe, PLA automatisch aus einem AMS zuzuführen und flexibles TPU von einer externen Spule zu verwenden. Technisch ist das möglich – allerdings nicht mit einer beliebigen Zuordnung der beiden Düsen. Entscheidend sind der unterschiedliche Aufbau der Extruder und der passende Filamentweg.

Welche Düse übernimmt welches Material?

Beim X2D ist die linke Düse die Hauptdüse. Ihr Extruder sitzt direkt am Druckkopf, sodass zwischen Antrieb und Hotend nur ein kurzer Filamentweg liegt. Diese Bauweise eignet sich für weiche Materialien, weil das Filament kaum Gelegenheit hat, sich zu stauchen, seitlich auszuweichen oder zu knicken.

Die rechte Nebendüse wird dagegen über einen längeren Bowden-Weg versorgt. Das Filament wird über eine größere Strecke zur Düse geschoben. Für starre Materialien wie PLA ist das normalerweise unproblematisch, bei elastischem TPU steigt jedoch das Risiko von Förderfehlern deutlich. Bambu Lab sieht TPU deshalb ausschließlich für die linke Hauptdüse vor.

Für die gewünschte Kombination gilt somit:

MaterialZuführungDüse
TPUexterne Filamentrollelinke Hauptdüse
PLAAMS beziehungsweise AMS 2 Prorechte Nebendüse

Die umgekehrte Belegung – PLA links und TPU rechts – sollte nicht verwendet werden. Auch dann nicht, wenn sich die Zuordnung in Bambu Studio scheinbar auswählen lässt.

TPU richtig zuführen

Gewöhnliches TPU darf nicht einfach durch einen langen PTFE-Weg oder den normalen Filamentpuffer geschoben werden. Welche Zuführung geeignet ist, hängt von der Härte des Materials ab.

Bambu Lab nennt für den X2D im Wesentlichen folgende Wege:

  • „TPU for AMS“ mit etwa 68D kann über den Filamentpuffer zur Hauptdüse geführt werden.
  • TPU 95A beziehungsweise 95A HF wird direkt am Eingang des Hauptextruders geladen; der Puffer wird umgangen.
  • Weicheres TPU mit 90A oder 85A sollte direkt am Werkzeugkopf zugeführt werden. Alternativ kann das TPU Feed Assist Module helfen.
  • TPU unter 85A wird vom Hersteller für diesen Drucker nicht unterstützt.

Bei einer externen Rolle muss die Spule leichtgängig abrollen können. Der PTFE-Schlauch sollte möglichst kurz sein und ohne enge Radien verlaufen. Schon eine schwergängige Spulenhalterung oder ein scharfer Bogen kann dazu führen, dass sich weiches Filament vor dem Extruder staucht.

Anschluss mit und ohne Filament Track Switch

Ohne Filament Track Switch lässt sich das AMS gezielt mit dem Filamentweg der Nebendüse verbinden. Am Filamentpuffer ist der obere Eingang der linken Hauptdüse und der untere Eingang der rechten Nebendüse zugeordnet. Für PLA an der Nebendüse wird der AMS-Schlauch deshalb am unteren Eingang angeschlossen. Das TPU wird separat und passend zu seiner Härte direkt zur Hauptdüse geführt.

Mit dem Filament Track Switch, kurz FTS, wird die Zuordnung flexibler. Dabei ist jedoch eine wichtige Einschränkung zu beachten: Eine dauerhaft angeschlossene externe Rolle belegt einen Extruderkanal fest. Wird TPU links eingespeist, kann das FTS diesen linken Kanal nicht gleichzeitig beliebig einem AMS zuweisen. Für den beschriebenen Druckauftrag ist das kein Problem, denn das AMS-PLA wird bewusst der rechten Nebendüse zugeordnet.

Wer mehrere AMS-Systeme anschließt, sollte vor dem Start kontrollieren, aus welchem Gerät und aus welchem Schacht das PLA tatsächlich geladen wird. Die automatische Erkennung ersetzt diese Prüfung nicht in jeder Konfiguration.

Einstellung in Bambu Studio

Das Modell muss Bereiche enthalten, denen sich unterschiedliche Filamente zuweisen lassen. Das können zwei separate Bauteile, bemalte Flächen oder ein Hauptmaterial mit einem zweiten Material als Stützschnittstelle sein.

In Bambu Studio wird die Düsen- beziehungsweise Filamentgruppierung auf „Benutzerdefiniert“ gestellt. Anschließend erfolgt die Zuordnung:

  1. TPU der linken Hauptdüse zuweisen.
  2. PLA der rechten Nebendüse zuweisen.
  3. Für beide Materialien ein passendes Filamentprofil auswählen.
  4. Modell slicen und die Vorschau nach Material und Düse kontrollieren.
  5. Beim Senden an den Drucker die Zuordnung zu AMS-Schacht und externer Spule erneut prüfen.

Die Vorschau ist besonders wichtig. Sie zeigt, ob TPU versehentlich an der Nebendüse gelandet ist oder ob einzelne Bereiche mit dem falschen Material erzeugt würden.

PLA als Stützmaterial für TPU

PLA kann bei einem TPU-Bauteil als Träger oder als Trennschicht zwischen Stützstruktur und Modell eingesetzt werden. Da beide Materialien häufig nur schwach aneinander haften, lässt sich die Stütze nach dem Druck vergleichsweise gut entfernen. Vor einem längeren Druck empfiehlt sich trotzdem ein kleiner Testkörper. Haftung und Ablösbarkeit verändern sich mit TPU-Sorte, Düsentemperatur, Oberflächengeometrie und Filamentzustand.

Soll PLA dauerhaft mit TPU verbunden bleiben, ist die geringe Materialhaftung eher ein Nachteil. Eine reine Kontaktfläche reicht oft nicht aus. Stabiler wird die Verbindung durch konstruktive Verzahnung, Hinterschneidungen, Durchbrüche oder überlappende Geometrien. Die Verbindung sollte also mechanisch gesichert und nicht allein auf Materialhaftung aufgebaut werden.

Praktische Grenzen des Zweidüsendrucks

Die rechte Nebendüse ist nicht nur beim Material eingeschränkt. Sie arbeitet konstruktionsbedingt langsamer als die Hauptdüse. Bambu Lab nennt für sie maximal 200 mm/s und eine Beschleunigung von 1.000 mm/s². Bei kombinierten Drucken richtet sich die tatsächliche Zeit daher stark danach, wie viele Bereiche die Nebendüse übernehmen muss.

Außerdem verkleinert sich bei Nutzung beider Düsen der verfügbare Bauraum auf ungefähr 235,5 × 256 × 256 Millimeter. Modelle, die den gesamten Bauraum der Hauptdüse ausnutzen, können deshalb für den Zweidüsenbetrieb zu groß sein.

Auch die Düsentemperaturen verdienen Aufmerksamkeit. Während eine Düse arbeitet, bleibt die zweite heiß und kann Material verlieren. Vor dem eigentlichen Bauteil sollte deshalb geprüft werden, ob an der inaktiven Düse Fäden oder Tropfen entstehen. Trockene Filamente, sauber kalibrierte Düsen und passende Standby-Temperaturen verringern dieses Risiko.

Vorbereitung vor dem Druck

TPU nimmt vergleichsweise leicht Feuchtigkeit auf. Feuchtes Material kann knistern, Blasen bilden und eine raue oder ungleichmäßige Oberfläche erzeugen. Auch PLA profitiert von trockener Lagerung. Beide Rollen sollten daher vor einem wichtigen Mehrmaterialdruck kontrolliert und bei Bedarf nach Herstellervorgabe getrocknet werden.

Für PLA und TPU ist eine aktive Beheizung des Bauraums normalerweise nicht erforderlich. Zu hohe Innenraumtemperaturen können PLA im Filamentweg erweichen und Förderprobleme begünstigen. Entscheidend sind stattdessen ein sauberer Drucktisch, korrekte Materialprofile und ein kurzer Probedruck.

Fazit

PLA aus einem AMS und TPU von einer externen Rolle lassen sich am Bambu Lab X2D in einem gemeinsamen Druckauftrag kombinieren. Die Materialverteilung ist dabei fest vorgegeben: Flexibles TPU wird mit der linken, direkt angetriebenen Hauptdüse gedruckt; PLA übernimmt die rechte Nebendüse.

Das AMS wird dem rechten Filamentweg zugeordnet, während das TPU abhängig von seiner Härte direkt am Haupt- oder Werkzeugkopf eingespeist wird. In Bambu Studio muss die Zuordnung anschließend ausdrücklich kontrolliert werden. Wird PLA nur als lösbare Stützschnittstelle verwendet, kann die geringe Haftung zu TPU hilfreich sein. Für dauerhaft verbundene Hybridteile ist dagegen eine mechanische Verzahnung der beiden Materialien erforderlich.