In den vergangenen Jahren habe ich intensiv mit verschiedenen KI-Systemen gearbeitet. Meine Erfahrungen beziehen sich vor allem auf ChatGPT und Claude. Andere Systeme wie Gemini oder Apple Intelligence habe ich zwar ausprobiert, sie spielen für meine tägliche Arbeit jedoch kaum eine Rolle.
Ich nutze derzeit die kostenpflichtige Version von ChatGPT mit Memory-Funktion. Claude hatte ich ebenfalls längere Zeit im kostenpflichtigen Abo, dieses aber inzwischen wieder gekündigt.
Bilder erzeugen und bearbeiten
Hier spielt ChatGPT seine größte Stärke aus.
Während Claude hauptsächlich Diagramme, einfache Grafiken und Icons erstellen kann, erzeugt ChatGPT nahezu beliebige Bilder. Ob Illustrationen, Fotomontagen, Collagen oder komplett erfundene Szenen – vieles gelingt erstaunlich gut.
Besonders beeindruckend ist ChatGPT, wenn aus vorhandenen Fotos neue Bilder entstehen sollen. Beispielsweise lässt sich ein Kind überzeugend als Erwachsene darstellen oder eine Person in eine völlig andere Umgebung versetzen.
Schwieriger wird es jedoch, wenn absolute Maßhaltigkeit gefragt ist.
Ich musste beispielsweise einen bereits vorhandenen Aufkleber millimetergenau um eine Sprayflasche montieren lassen. Genau solche Aufgaben bereiten ChatGPT bis heute Probleme. Für künstlerische Arbeiten funktioniert die KI hervorragend. Sobald jedoch exakte Größenverhältnisse oder präzise Fotomontagen erforderlich sind, stößt sie häufig an ihre Grenzen.
Kurz gesagt:
- kreative Bildgestaltung: hervorragend
- Maßstabsgetreue Fotomontagen: häufig problematisch
MP3-Dateien bearbeiten
Auch hier konnte mir ChatGPT bereits helfen.
Ich hatte eine Musikdatei, bei der zunächst mehrere Sekunden Stille zu hören waren. ChatGPT sollte die MP3-Datei so beschneiden, dass sie sofort mit dem Gesang beginnt. Das funktionierte problemlos.
Ob Claude solche Aufgaben inzwischen ebenfalls beherrscht, kann ich nicht sicher beurteilen. Während meiner Nutzungszeit lag der Schwerpunkt von Claude eindeutig auf Softwareentwicklung.
Programmierung
Gerade bei der Softwareentwicklung wird häufig behauptet, Claude sei deutlich besser als ChatGPT.
Diese Aussage kann ich aus meiner persönlichen Erfahrung nicht uneingeschränkt bestätigen.
Ich habe mit beiden KIs größere Softwareprojekte entwickelt. Dabei zeigte sich, dass beide Systeme unterschiedliche Stärken besitzen.
Allerdings haben beide dieselbe Schwäche:
Je länger und komplexer ein Projekt wird, desto eher verlieren sie den Überblick. Irgendwann vergessen sie frühere Zusammenhänge oder erzeugen Änderungen, die an anderer Stelle neue Fehler verursachen.
Der Unterschied liegt für mich eher im verfügbaren Kontext.
Mein persönlicher Eindruck ist, dass sich ChatGPT deutlich mehr Gesprächsverlauf merken kann als Claude. Dadurch lassen sich größere Projekte über längere Zeit bearbeiten.
Claude hatte zwar bei einzelnen Programmieraufgaben Vorteile, insgesamt arbeitete ich jedoch produktiver mit ChatGPT.
Letztlich kündigte ich mein Claude-Abo wieder. Es verdoppelte zwar meine monatlichen KI-Kosten, verdoppelte aber nicht meinen Nutzen. Hinzu kamen vergleichsweise strenge Nutzungslimits, sodass ich häufig bis zum nächsten Tag warten musste, bevor ich weiterarbeiten konnte.
Halluzinationen
Alle heutigen KIs halluzinieren noch.
Das bedeutet: Sie können überzeugend klingende Antworten liefern, die schlicht falsch sind.
Deshalb gilt für mich eine einfache Regel:
Vertraue keiner KI blind.
Wer KI-Antworten ungeprüft übernimmt, riskiert Fehler, die im Berufsleben oder bei der eigenen Glaubwürdigkeit teuer werden können.
Ich setze KI deshalb bevorzugt in Bereichen ein, in denen ich selbst bereits Fachwissen besitze. Dadurch erkenne ich viele Fehler oder Ungenauigkeiten rechtzeitig.
Warum ich die Memory-Funktion von ChatGPT schätze
Ich nutze ChatGPT mit aktivierter Memory-Funktion.
Dadurch merkt sich die KI – innerhalb bestimmter Grenzen – Informationen über meine Projekte, Interessen und Arbeitsweise.
Wenn ich beispielsweise Etiketten für Sprayflaschen entwerfen möchte, muss ich nicht jedes Mal erneut erklären,
- warum ich diese Flaschen verwende,
- welche Drucker ich besitze,
- welche Laser vorhanden sind,
- welche Software ich einsetze oder
- welche Produkte ich herstelle.
Dadurch werden viele Gespräche wesentlich effizienter.
Natürlich ersetzt das kein menschliches Gedächtnis. Dennoch spart diese Personalisierung im Alltag sehr viel Zeit.
Datenschutz
Beim Thema Datenschutz gehen die Meinungen weit auseinander.
Ich persönlich sehe die Diskussion vergleichsweise nüchtern.
Schon lange vor KI wurden Suchanfragen, Webseitenbesuche und zahlreiche Online-Aktivitäten protokolliert. Ob ich eine Frage in einer Suchmaschine stelle oder an eine KI richte, entstehen in beiden Fällen digitale Spuren.
Deshalb sehe ich KI hier nicht als grundlegend neues Problem, sondern als Teil einer Entwicklung, die bereits seit vielen Jahren besteht.
Wofür ich KI heute nutze
In meinem Alltag hilft mir KI bei sehr vielen Aufgaben.
Unter anderem nutze ich sie für:
- Korrektur meiner Rechtschreibung
- Formulieren und Überarbeiten von Texten
- Erstellen einfacher Bilder
- Unterstützung bei der Softwareentwicklung
- Ideenfindung und Brainstorming
- technische Recherchen
- Produktvergleiche
- philosophische oder technische Diskussionen
Gerade bei Produktrecherchen ist jedoch Vorsicht geboten.
Immer wieder empfiehlt eine KI Produkte, die wichtige Anforderungen gar nicht erfüllen. Deshalb überprüfe ich technische Daten grundsätzlich noch einmal selbst.
Apple Intelligence, Gemini & andere KIs
Apple, Google und andere Hersteller integrieren inzwischen ebenfalls KI in ihre Produkte.
Für viele Anwender ist das sicherlich praktisch.
Wer hauptsächlich Fotos verschönern, Texte umformulieren oder kleine Alltagsaufgaben erledigen möchte, erhält damit hilfreiche Funktionen direkt auf dem Smartphone.
Für meine Arbeit spielen diese Systeme allerdings kaum eine Rolle.
Ich benötige eine KI, die mich bei komplexen Projekten, Programmierung, Produktentwicklung und umfangreichen Recherchen unterstützt.
Nach meiner persönlichen Erfahrung erfüllt ChatGPT diese Anforderungen derzeit am besten.
Wie sinnvoll sind KIs wirklich?
Ich halte KI für eines der nützlichsten Werkzeuge der letzten Jahre.
Aber eben nur für ein Werkzeug.
Ein Werkzeug macht seinen Besitzer noch lange nicht zum Experten.
Ein einfaches Beispiel:
Mit einer Burgerpresse lassen sich perfekte Burger-Patties formen. Trotzdem entsteht dadurch nicht automatisch ein guter Burger. Dafür braucht es weiterhin Erfahrung, gute Zutaten und das nötige Wissen.
Mit Künstlicher Intelligenz ist es genauso.
Wer nicht beurteilen kann, ob eine Antwort richtig oder falsch ist, wird früher oder später Probleme bekommen.
Deshalb sollte man KI als leistungsstarken Assistenten betrachten – nicht als unfehlbaren Experten.
Mein Fazit
ChatGPT ist für mich heute ein tägliches Arbeitswerkzeug geworden. Es spart Zeit, liefert Ideen und hilft bei vielen Aufgaben erheblich.
Trotzdem kontrolliere ich jede wichtige Aussage und verlasse mich niemals blind auf eine KI.
Wer Künstliche Intelligenz bewusst und kritisch einsetzt, gewinnt einen äußerst leistungsfähigen Helfer. Wer ihr jedoch ungeprüft vertraut, wird früher oder später unangenehme Überraschungen erleben.